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Wenn ein Mann sich eine Hose kauft, geht er in einen Laden, probiert eine an, und wenn sie passt, geht er zur Kasse und zahlt. Fertig. Zeitaufwand fünfzehn Minuten – wenn überhaupt.

Will er aber eine Hose kaufen und hat seine Frau dabei, geht er in hundert Läden, zieht gefühlte zehntausend Exemplare an und marschiert erst mal wie ein Wachsoldat vor der Umkleidekabine auf und ab.

Anna besorgt Nachschub ohne Ende. Ich versuche sie davon zu überzeugen, dass eine Hose eine unsinnige Anschaffung ist, wenn man plant, eine Diät zu machen.

»Was für eine Diät?«

»Weiß ich noch nicht. Ich stecke noch in der Recherchephase.«

»Wenn sie dir dann tatsächlich zu weit sein sollte«, argumentiert Anna, »ändern wir sie halt, aber hier ist heute Räumungsverkauf und nicht irgendwann. Außerdem hältst du eine Diät ohnehin nicht durch.«

Ich schlüpfe in etwas ganz Schickes – angeblich der letzte Schrei –, jedenfalls nach Meinung der sichtlich gestressten Verkäuferin, die gelangweilt zuschaut und dabei einen Kaugummi wiederkäut. Als ich mich im Spiegel betrachte, frage ich mich, wie dann der vorletzte Schrei ausgesehen hat. Erschwerend gesellt sich mein Hauptproblem hinzu, die zu langen Hosenbeine. Selbst Zwischengrößen retten mich nicht.

»Kann man das nicht ändern?« Anna seufzt.

Die Verkäuferin verzieht genervt das Gesicht.

Zufällig ist der Änderungsschneider greifbar, ein hagerer Kerl mit einem Zopf à la Karl Lagerfeld, umgehängtem Maßband und Gleitsichtbrille. Er meint, ich soll mal ein paar Schritte gehen. Das funktioniert natürlich nicht, weil ich mir dauernd auf den Saum trete. Er besorgt ein paar Nadeln und steckt blitzschnell die passende Beinlänge ab.

Das tapfere Schneiderlein kräuselt die Lippen und richtet sich wieder auf. »Sorry, Gnädigste«, säuselt er. »Da müsste ich so viel abnehmen, da wäre der ganze Schnitt perdu.«

»Ich möchte ohnehin lieber eine Jeans«, werfe ich ein.

»Kommt überhaupt nicht in Frage!«, entscheidet Anna.

Ich versuche es noch einmal. »Ich finde, wir sollten die Hose erst kaufen, wenn ich meine Diät hinter mir habe.«

»Ich finde, wir sollten eine Stretchhose kaufen«, schlägt Anna vor.

»Das ändert aber nichts an dem Längenproblem«, gibt Karl zu bedenken. Er zupft und zerrt am Hosenbein herum, krempelt es zehnmal auf und wieder herunter und kapituliert schließlich mit einem langen Stoßseufzer. »Socken gibt es übrigens im Parterre«, merkt er so ganz nebenbei an.

Erst jetzt entdecke ich das Loch in meinem Strumpf, genau da, wo eigentlich der dicke Onkel verborgen sein sollte. Hätte Anna in diesem Moment eine Pumpgun zur Hand gehabt, sie hätte das komplette Magazin auf mich abgefeuert.

»Typisch Mann«, macht sie auch noch alle Umstehenden auf die höchst peinliche Situation aufmerksam.

Eine ältere Dame kommentiert: »Machense sich nix draus, junge Frau. Mein Egon is genauso. Wenn ich nich mit Luchsaugen drauf achte, zieht der sogar zwei Tage hintereinander denselben Schlüpper an.«

Ich versichere an Eides statt, stets frische Unterwäsche zu tragen.

Dann geschieht etwas vollkommen Unerwartetes, vielleicht auch, weil Anna das Loch in meiner Socke mehr als peinlich findet. Sie verkündet: »Mein Gatte hat recht. Wir warten ab, bis seine Diät abgeschlossen ist. Wenn die Weite im Bund enger ist, wird automatisch auch die Beinlänge kürzer und wir müssen nicht so viel ändern.«

»Auf jeden Fall«, pflichten ihr Karl für Arme und die Verkäuferin unisono bei, die augenscheinlich lieber auf ein Geschäft verzichten, als uns länger bedienen zu müssen.

»Dann können wir ja endlich für dich gucken«, versuche ich die gereizte Situation zu entspannen.

Wir verabschieden uns von dem freundlichen Verkaufspersonal und fliehen in Richtung Rolltreppe. Noch mal Glück gehabt.

 

 

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